Finkenweg Köniz

Ort Finkenweg 4+6, 3098 Köniz
Bauherrschaft Genossenschaft Wohnraum Köniz
Architektur Wilk Architekten AG, Liebefeld
Ingenieur Henauer Gugler AG, Bern
Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain
HLKS-Ingenieur Grünig + Partner AG, Liebefeld
und Energieatelier AG, Thun
Holzbau Mosimann Holzbau AG, Köniz
Baukosten (BKP 2) CHF 5,16 Mio. (inklusive Einstellhalle)
Gebäudevolumen SIA 116 6971m³ (Wohnhaus), 1476m³ (Einstellhalle)
Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 611.– (inklusive Einstellhalle)
Bauzeit September 2004 (Holzbau), März 2004–Mai 2005
Quelle: Lignum Holzbulletin 86/2008 Mehrgeschossige Wohnbauten

Der Neubau ist der erste viergeschossige Wohnbau in Holz des Kantons Bern. Südlich des Könizer Zentrums zeugt er vom erklärten Willen der Bauherrschaft, Nachhaltigkeit baulich umzusetzen, und der daraus folgenden Offenheit für den Baustoff Holz. Diese spiegelt sich formal ehrlich im Ausdruck des klar strukturierten Fassadenbilds.

Lokal ansässige Handwerker und Geschäftsleute sowie die Gemeinde Köniz gründeten 1944 die ‹Genossenschaft Wohnraum Köniz›, um einerseits Schwung ins lokale Gewerbe zu bringen und andererseits das Sozialwohnungsproblem zu lösen. Die Genossenschaft baute zu Ende des Zweiten Weltkrieges die umstehenden Häuser am Finkenweg mit 84 Wohnungen. Dabei war sie mit einkommensabhängigen Mietzinsen, mit der vollumfänglichen Investition der Gewinne in die Liegenschaften und dem statutarischen Ausschluss von spekulativen Geschäften wegweisend. Noch heute stellt sie mit den gleichen Statuten wie damals preisgünstige Wohnungen zur Verfügung.
Beste Voraussetzungen für das genossenschaftliche Bauen bot das südliche Blinzern- Quartier mit der familienfreundlichen Lage sowie der Nähe zur Schule, zum Kindergarten und zum Naherholungsgebiet Gurten. Hier füllt das vierstöckige Mehrfamilienhaus eine Baulücke und orientiert sich in seiner Ausrichtung von Nordwesten nach Südosten am Bestand.
Die Bauherrschaft war von Holz als nachhaltigem, einheimischem und zugleich umweltverträglichem Rohstoff für Bau und Innenausbau von Beginn an überzeugt.
Entsprechend wurde der Baukörper ab dem Untergeschoss als Holzbau realisiert und gibt sich von innen wie auch von aussen als solcher zu erkennen. Einzig die Einstellhalle im Zentrum der Siedlung, die vom Neubau direkt zugänglich ist, die zwei Treppenhäuser mit einem rollstuhlgängigen Aufzug sowie die zwei nach Nordosten orientierten Eingangsbereiche sind in Beton ausgeführt.
Der Gebäudegrundriss ist über alle drei Vollgeschosse gleich organisiert: vier Wohnungen mit zweieinhalb bis viereinhalb Zimmern, eine Schicht an der Nordostfassade, die primär Bäder und Küchen umfasst, sowie eine Schicht an der Sonnenfassade mit den Schlafzimmern. Im Attikageschoss sind zwei Wohnungen mit Terrassen über das eine Treppenhaus erreichbar.
Das Haustechnikkonzept wurde für den Wohnungsbau in Holz zeitgemäss umgesetzt, wodurch das Gebäude schliesslich auch mit dem Minergielabel ausgezeichnet wurde. Dazu trugen die grosszügig dimensionierte und mehrschichtige Dämmung, die Komfortlüftung und die Energie aus Sonnenkollektoren zur Aufbereitung des Warmwassers bei. Die primäre Energiegewinnung erfolgt über einen bestehenden Nahwärmeverbund. Als einem der ersten viergeschossigen Wohnbauten im Kanton Bern liegt dem Projekt ein objektspezifisches Brandschutzkonzept mit rein baulichen Massnahmen zugrunde. So sind das Tragwerk und die Brandabschnitte auf 30 Minuten Feuerwiderstand ausgelegt; die Treppenhäuser und der Eingangsbereich im Erdgeschoss bestehen aus Beton. Für die Aussen- und Innenwände kam die Holzrahmenbauweise zur Anwendung. Brettstapelelemente bilden das Tragwerk der Decken, Kastenelemente dasjenige der Terrassen und des Daches. Entsprechend der Bauweise mit dem hohen Vorfertigungsgrad war eine Montage innerhalb von nur gerade drei Wochen möglich. Die Bauherrschaft schätzt den Neubau, denn die zugrundeliegenden Konzepte gewährleisten gute Werterhaltung, tiefe Unterhaltskosten und einen niedrigen Energieverbrauch, aber auch hohe Bewohnerzufriedenheit und somit eine geringe Mieterfluktuation. Die Erstvermietung erwies sich als äusserst einfach, und die Chancen für eine Wiedervermietung stehen damit gut.