Umbau und Erweiterung des Schulhauses Hatzenbühl, Nürensdorf

Ort Hatzenbühlstrasse
8309 Nürensdorf
Bauherrschaft Schulgemeinde Nürensdorf
Architektur Heinrich O. Matthias + Luiza H. Kitanishi, AKM, Zürich
Bauphysik und Akustik Braune Roth AG, Binz
Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain
Holzverarbeitung Spaltenstein oa.sys AG, Bassersdorf (Holzbau),
Ernst Weiss, Nürensdorf (Innenausbau),
Schlittler Bodenbeläge, Bassersdorf (Parkett)
Baukosten BKP 1–9 CHF 4,3 Mio. (Sanierung Alt- und Neubau)
davon BKP 214.3: CHF 350 000.– (Holztafelbau Neubau)
davon BKP 273: CHF 285 000.– (Schreinerarbeiten Alt- und Neubau)
Geschossfläche SIA 416 700 m² (Neubau)
Bauzeit Juni 2006–November 2007 (Umbau und Erweiterung)
Fotograf Otto Ammon, St. Gallen
Quelle Lignum Holzbulletin 89/2008 „Schulen“

Der bestehende Bau ist ein schönes Beispiel der Schulhausarchitektur der siebziger Jahre, modular aufgebaut und in seiner Erscheinung wohlproportioniert im Gelände eingefügt. Analysiert man das bestehende Gebäude von innen und aussen, so erkennt man, dass die damaligen Planer bereits eine Erweiterung nach Norden voraussahen. Erweiterung durch Improvisation zu einem gegebenen Thema ist somit der Grundgedanke dieser Schulraumerweiterung in der Hügellandschaft von Nürensdorf nördlich von Zürich.

Für den Erweiterungsbau mit dem Mehrzwecksaal im Erdgeschoss und seinen zusätzlichen Klassenzimmern auf dem oberen Niveau drängte sich dasselbe Innenraumkonzept förmlich auf; er bildet so funktional wie architektonisch eine harmonische Weiterführung des Bestehenden. Um den Schulbetrieb während der Bauphase so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, wurde der Neubau als sanfte Andockung an das bestehende Gebäude konzipiert. Das Konstruktionsprinzip des Neubaus basiert auf einer Mischbauweise mit Stahl und Beton für das Erdgeschoss sowie Holz für das Obergeschoss. Wo immer möglich wurde eine Trockenbauweise gewählt, um die Bauzeit zu verkürzen. Die Decke über dem Erdgeschoss besteht aus einem geprüften Verbunddeckensystem aus Stahlträgern, Verbundelementen aus Kopfbolzendübeln und Blechprofiltafeln sowie einem Überbeton. Diese starre Scheibe liegt auf acht eingespannten Stützen in Beton. Der Raumabschluss nach aussen erfolgt mit einem Pfosten-Riegel-System aus Graualuminium. Über diesem Unterbau sind alle weiteren Bauteile als vorfabrizierter Holzelementbau ausgeführt, wobei die Holzrahmenbauweise für die Aussen- und Trennwände zur Anwendung kam und Kastenelemente die Tragkonstruktion des Flachdaches ausbilden. Die primäre Lastabtragung aus dem Dach erfolgt über ein Raster von Stützen in der Ebene der Fassadenelemente und der Trennwände zwischen Klassenzimmer und Korridor. Da das auskragende Stahl-Beton-Deckensystem überhöht wurde, mussten die Fassadenelemente so zwischen die Stützen eingebaut werden, dass diese nach dem Aufbringen der Dachlasten (Kies) nochmals nachgerichtet und genau ausgelotet werden konnten. So wurden die unterschiedlichen Höhen bis 10mm der Elemente aufgefangen und ausgeglichen. Da das Schulhaus Hatzenbühl in der Anflugschneise des Flughafens Zürich liegt, bestehen hohe Anforderungen an den Schutz gegen Luftschall von aussen. Dem wurde man durch einen geeigneten Schichtaufbau der Fassadendämmung sowie mit einer hohen Masse durch die erhöhte Kiessschicht von 100mm auf dem Flachdach gerecht. Zudem wurde das ganze Schulhaus im alten und neuen Teil mit einer mechanischen Belüftung ausgerüstet. So wird die Schalldämmung trotz Leichtbauweise vollkommen erfüllt. Für die Fassadenbekleidung des Obergeschosses kommen gestrichene Dreischicht-platten zum Zug. Für den konstruktiven Holzschutz sind die Vordächer entsprechend weit ausgebildet und die Oberkanten der einzelnen Platten mit optisch nicht wahrnehmbaren Aluminiumstreifenabdeckungen geschützt. Da eine Rissbildung bei den grossformatigen Fassadenplatten aber nicht generell ausgeschlossen werden kann, werden sie nach zweijährigem Einsatz nochmals komplett gestrichen. Mit dieser Massnahme wird eine deutlich höhere Lebensdauer der Fassadenbekleidung angestrebt. Generell wurde bei diesem Bau der Minimierung des Unterhaltsaufwandes grosses Augenmerk geschenkt. So sind alle Komponenten mit kürzerer Lebensdauer so eingebaut, dass sie einfach auswechselbar sind – ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.