Zeitgemässe Ersatzneubauten in der LebensART Bärau

Ort Bäraustrasse 71, 3552 Bärau
Bauherrschaft Genossenschaft LebensART Bärau
Generalunternehmen Renggli AG Generalunternehmung, Sursee
Ingenieur Holzbau Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See
Holzbau Renggli AG Holzbau, Schötz
Holzarten Konstruktionsholz: Rahmenholz 1085 m³; Platten: OSB 15 mm 2450m², Dreischichtplatten 16 100m², zementgebundene Holzfaserplatten 15 mm 27 650m², Gipskartonplatten 12,5 mm 19 600m² und 18 mm (Brandschutz) 8400m², Spanplatten 25 mm 2100m² und 15 mm 2800m²; Schalung 24 mm 4450m²; Wärmedämmung 2660m³
Gebäudedekubatur SIA 116 49 900m³
Bruttogeschossfläche 11 000m²
Baukosten (BKP 2) CHF 35 Mio. (ohne Keller)
Bauzeit 6,5 Monate pro Gebäudeeinheit
Baujahr 2003–2006 in vier Etappen
Quelle Lignum Holzbulletin, 72 / 2004; Wohnraum für ältere Leute

Die LebensART Bärau liegt im hügeligen Emmental in ländlicher Umgebung. Sie bietet gegen 350 pflegebedürftigen Menschen ein Zuhause, wovon ein Teil im Pensionsalter ist. Da die Massivbausubstanz von fünf alten Wohnhäusern stark renovationsbedürftig war und die inneren Strukturen der Gebäude nicht mehr der aktuellen Pflege- und Betreuungsphilosophie entsprachen, entschied sich die LebensART Bärau für Abbruch und einen Ersatzneubau in Holzsystembauweise nach Minergiestandard.

Im Gesamtprojekt sind ausserdem zwei zusätzliche Neubauvolumen gleicher Bauart enthalten. Die einzelnen Gebäude unterscheiden sich lediglich im Kellerbereich, wo bei den Ersatzbauten die alte Substanz als Fundament für den Holzsystembau dient, wenn dies von ihrem Zustand her möglich ist. Um die betrieblichen Auswirkungen der baulichen Erneuerung so gering wie möglich zu halten, erfolgt die Realisierung in vier Etappen von 2003–2006. Ziel der LebensART Bärau ist es, den Bewohnerinnen und Bewohnern (ab 18 Jahren bis ins Rentenalter) trotz ihrer geistigen und allenfalls damit verbundenen körperlichen Einschränkung ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Die umfassenden baulichen Massnahmen unterstützen dieses Bestreben. Die sieben neuen Häuser der LebensART Bärau mit 140 Zimmern orientieren sich in ihrer Massstäblichkeit und in ihrer Architektursprache am ‹normalen Wohnen›. Das Hauskonzept aber basiert auf fein differenzierten Öffentlichkeitsgraden: Die 22,8m² grossen Zimmer bilden die Privatsphäre für jeden einzelnen Heimbewohner; ein individueller Nassraum von 4,3m² und ein eigener Balkon von 5m² gehören ebenfalls dazu. Jeweils zwei Zimmerpaaren ist ein gemeinsamer, halbprivater Wohnbereich zugeordnet. Jede Etage bildet eine Funktionseinheit, in deren Zentrum die gemeinsamen Ess- und Aufenthaltsräume liegen. Die Infrastruktur- und Nebenräume sowie die Dachterrasse stehen der gesamten Hausgemeinschaft zur Verfügung. Der Umgebungsbereich, welcher die Häuser verbindet, ist halböffentlich; das Zentralgebäude mit Empfang und Cafeteria ist öffentlich und auch für externe Besucherinnen und Besucher zugänglich. Die Staffelung der sieben Häuser in vier Bauetappen mit einer Gesamtbauzeit von dreieinhalb Jahren steht in engem Zusammenhang mit den betrieblichen Rahmenbedingungen: Die Bauarbeiten sind so angelegt, dass keine Bewohnerinnen und Bewohner aus der Heimstätte ausquartiert werden müssen und jede Person lediglich ein einziges Mal umzuziehen braucht. Diese Vorgaben erfordern eine serielle Abwicklung des Bauprozesses, damit man mit den Bauarbeiten stets ein Haus ‹im Vorsprung› ist. Die genaue Um- und Neubaureihenfolge der einzelnen Häuser wurde nicht aufgrund des Situationsplans etappiert, sondern anhand der Belegungslogistik festgelegt. Dass sich die Bauherrschaft für die Holzsystembauweise entschied, hat primär zeitlich-betriebliche Gründe: Die immissionsintensiven Arbeiten werden in der Werkhalle und nicht auf dem Bauplatz getätigt. Dadurch wird der Heimbetrieb weniger belastet. Ausserdem hätten die Bauarbeiten – unter gleichen logistischen Rahmenbedingungen – zwei Jahre länger gedauert, wenn dasselbe Projekt in Massivbauweise ausgeführt worden wäre. Daneben spielten auch Traditions- und Marketingüberlegungen eine Rolle: Bauen mit Holz hat im Emmental grosse Tradition, und moderne, energieeffiziente Holzbauten verkörpern in den Augen der Bauherrschaft genau jenes fortschrittliche Image, das der Betreuungsphilosophie der Heimstätte entspricht. Die in Holzrahmenbauweise konstruierte Gebäudehülle ist lückenlos abgedichtet und weist eine Wärmedämmung von 220mm Dicke sowie beidseitige Beplankungen aus Gipsfaserplatten auf. Die hell lasierte Holztäferschalung in der Fassade drückt das konstruktive Innenleben aus. Auch die Nutzung der Räume ist von aussen ersichtlich: In der Fassade wird in grosse Wohnund kleine Nebenraumfenster differenziert. Zur Sicherstellung des Brandschutzes wurde von der Gebäudeversicherung ein objektbezogenes Brandschutzkonzept genehmigt, welches für alle Räume eine Sprinkler- und Brandmeldeanlage vorsieht. Zudem gibt es pro Haus mehrere Brandabschnitte, welche durch die Innenwände und Geschossdecken mit einem Feuerwiderstand von 60 Minuten ausgebildet sind. Heruntergehängte Decken, die in den Aufenthaltsräumen mit Lochakustikplatten versehen sind, sorgen für zusätzlichen Schallschutz. Der Projektausrichtung liegt das Minergiekonzept zu Grunde.