Dienstleistungs- und Wohngebäude ‹WylerPark›, Bern

Ort Wylerstrasse 121/123
3014 Bern
Bauherrschaft Livermore Investments AG, Gartenstr. 10, 8002 Zürich.
Vertreten durch Helbling Beratung + Bauplanung AG,
Hohlstr. 614, 8048 Zürich
Architektur Rolf Mühlethaler, Architekt BSASIA, Bern
Bauingenieur Tschopp & KohlerIngenieure GmbH, Bern
Bauphysik Zeugin Bauberatungen AG, Münsingen
Holzbauingenieur hrb Ingenieurbüro für Holzbau GmbH, Thun
Holzbau Boss Holzbau AG, Thun,
Mosimann Holzbau AG,Köniz, und
Hector Egger Holzbau AG, Langenthal
Energiebezugsfläche Wohnen 5200m²
U- Werte Bauteile Aussenwände 0,24W/m²K,
Fenster 1,4W/m²K,
Dach 0,13W/m²K,
Boden 0,17W/m²K
Energieverbrauch 173W/m²
Heizwärmebedarf 121,5 kW
Baukosten BKP2 CHF 14,5Mio. davon BKP 214 CHF 4,5Mio.
Hauptnutzfläche SIA 416 4351m²
Gebäudevolumen SIA 416 19400m³
Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP2) CHF 750.–
Bauzeit August 2007–Juni 2008 (Gesamtbauzeit),
Oktober2007–Januar2008 (Holzbau)
Fotograf Alexander Gempeler, Bern
Quelle Lignum Holbulletin 88/2008 «Energieeffizinete Wohnbauten»

Das Objekt ‹WylerPark› ist 2005 aus einem zweiteiligen Architekturwettbewerb für ein neues Dienstleistungsgebäude und für einen im Zonenplan vorgeschriebenen Anteil an Wohnungen hervorgegangen. Das Besondere am realisierten Projekt ist, dass es beide Teile des Wettbewerbs in einem einzigen Gebäude vereint und die bereits vorhandene Freifläche als Park der Quartieröffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Grossmassstäblich bildet das Wylerfeld den südlichen Abschluss des Industriegürtels zwischen dem Wankdorf und der Lorraine. Harte Schnittstellen, Brüche und von mächtigen Mauern getragene Terrassen kennzeichnen die geschichtete und tektonische städtebauliche Struktur zwischen dem Wylerquartier, dem Bahndamm, dem Industriegürtel und dem Breitenrain - respektive dem Lorrainequartier. Das spannungsvoll direkte Nebeneinander von Industriebauten und Wohnbauten prägt und charakterisiert mit seinen geschnittenen Zwischenräumen das Wylerfeld. Mit dem Bezug zu den historischen wie zu den gewachsenen Tugenden des Ortes wurde eine unverwechselbare Authentizität angestrebt. Ungeschönt wird der gleichmachenden Ver­wischung der Quartiere ein robustes städtebauliches Zeichen in der Tradition der qualitätsvollen Fabrik und Industriebauten am Ort entgegengesetzt. Der Neubau ‹WylerPark› ersetzt ab Niveau Erdgeschoss ein bestehendes Industriegebäude. Darin wird die formale wie inhaltliche Überlagerung von Wohnen und Arbeiten im Wylerfeld widerspiegelt. So wird dem Wohnen der attraktivste Ort zugestanden, nämlich über den Dächern der Nachbarschaft mit Aussicht über die Stadt bis zur Alpenkette, in den drei oberen Geschossen in Holzbauweise. Grosszügige 2,50m breite, offene Erschliessungslauben führen zu den einzelnen Wohnungseinheiten, wovon insgesamt 39 3½- respektive 4½- Zimmerwohnungen und wenige Wohnstudios vorgesehen sind.
Sämtliche Zugänge für das Wohnen und das Arbeiten sind von der Terrasse erschlossen und teilen sich gleichberechtigt den Nutzen und die Qualitäten des Ortes. Terrassenrestaurant, Aussensitzungsraum, Pausenraum, Raucherzone und Spielort sind Beispiele der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des gedeckten Aussenraumes.
Auch das Quartier profitiert durch die neue Öffnung und Öffentlichkeit der Anlage und gewinnt darüber hinaus einen Quartierpark. Dieser neue öffentliche Quartierpark versteht sich auch als Fortsetzung des Dammwegparkes und der bereits bestehenden Spielmeile Lorraine– Schulhaus Steckgut, Polygonstrasse und Dammweg. Die einheitliche Belagsfläche unterstützt die Grosszügigkeit des Raumes und lässt vielseitige Nutzungen zu. Zusätzlich werden die Dächer extensiv begrünt und stehen teilweise ebenfalls dem Wohnen zur Verfügung. Lichthöfe gewährleisten genügenden Lichteinfall wie auch eine optimale Luftumwälzung. In ihnen wurde das Thema der urbanisierten Brache fortgesetzt. Die Höfe, als abgeschlossene Räume innerhalb des Gebäudes begriffen, fordern in einer logischen Abfolge die gesteigerte, artifiziellere Anwendung der Gestaltungselemente und somit eine Verlagerung von der Brache zur Urbanisierung, zum Garten. Die Gebäudetechnik wurde nach den Grundsätzen von Minergie konzipiert. DerAnschluss an die im Vorfeld erneuerte Energiezentrale des darunter liegenden Dienstleistungsgebäudes trägt dazu bei, dass der Minergie – Standard ohne wesentliche Mehrkosten erreicht werden konnte. Ab dieser Energiezentrale wird die Niedertemperaturwärme über eine Fussbodenheizung in den Wohnungen verteilt, wobei jede Wohnung über eine Einzelraumregulierung verfügt. Um eingutes Innenraumklima und einen hohen Schallschutz zu erzielen, sind die Wohnungen mit einer Komfortlüftung ausgerüstet. Diese dient zudem zur Sicherstellung des thermischen Komforts sowie der Einhaltung der hygienischen Anforderungen, und es schützt das Gebäude während der Heizperiode dank einer Wärmerückgewinnung vor unkontrollierten Wärmeverlusten.