Jacob-Burckhardt-Haus, Basel

Ort Jacob-Burckhardt-Haus 2–12, 4052 Basel>
Bauherrschaft I.B.O. Basel
Architekten Zwimpfer Partner Architekten SIA, Basel, und Jakob Steib, Architekt BSA/SIA, Zürich
Kunst und Architektur Brigitte Kowanz, Wien; Gun Gordillo, Kopenhagen; Claude Lévêque, Montreuil (Paris); Anna Amadio, Basel
Ingenieure Holzbau /strong> Erne AG, Laufenburg; Mitarbeit: Patrik Suter
sowie Bakus Bauphysik und Akustik, Zürich
Ingenieure Seilnetzfassade Höfe Walther Mory Maier Bauingenieure AG, Basel, und Schlaich, Bergermann & Partner, Stuttgart
Fassadenbau ARGE Erne AG, Laufenburg; Mitarbeit: Erwin Eschbach, Roger Schär und Gerber-Vogt AG, Allschwil;
Mitarbeit: Michael Gerber, Bernhard Schlegel
Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 810m³; Platten: OSB 12 500m², mitteldichte Holzfaserplatte 13 000m², Gipsfaserplatten 14 100m²; Zellulosefaserdämmplatten 1130m³
Gebäudedekubatur SIA 116 253000m³
Kubikmeterpreis (BKP 2) CHF 406.–
Bauzeit Februar 2003–August 2004 (1. Etappe, Haus 8–12), bis 2007 (2. Etappe, Haus 2–6)
Quelle Lignum Holzbulletin, 73 / 2004; Vier und mehr Geschosse

Das Jacob-Burckhardt-Haus ist Teil der übergeordneten Entwicklungsstrategie Euroville rund um den Bahnhof SBB Basel. Dessen Ziel ist es, das Gebiet um den Bahnhof zu einer Verkehrsdrehscheibe und zu einem Dienstleistungszentrum für die gesamte trinationale Region am Oberrhein auszubauen. Dabei bilden das Jacob-Burckhardt-Haus und das Peter-Merian-Haus ein städtebauliches Ganzes. Die Abgrenzungen nach Norden mit der Nauenstrasse und im Süden mit der Gleisanlage sind analog. In der Mitte grenzen beide an einen erhöhten Platz. Im Osten definiert das Jacob-Burckhardt-Haus städtebaulich den Kopf zur Münchensteinerbrücke.

Zur Realisierung des als erstes entstandenen Peter-Merian-Hauses wurde 1988 die I.B.O. Immobiliengesellschaft Bahnhof Ost AG, eine Developmentgesellschaft, gegründet. Dieses erste Objekt wurde in Bauherrengemeinschaft mit der Post realisiert, wobei die I.B.O. die privatwirtschaftlichen oberirdischen Bauten erstellt, vermietet und im Stockwerkeigentum verkauft hat und die Post den unterirdisch erschlossenen Postbahnhof betreibt. Das gesamtheitliche Konzept, welches die Aspekte Kunst und Architektur mit einer bereiten Nutzungsvielfalt und ökonomisch optimierten Bedingungen vereint, hat zum grossen Erfolg des Peter-Merian-Hauses geführt. Nach denselben Grundsätzen wird nun direkt angrenzend das Jacob-Burckhardt-Haus realisiert. Die Dienstleistungsflächen und Wohnräume des Hauses gliedern sich in je sechs Bauten um je einen inneren Lichthof, je auf einer eigenen Parzelle stehend. Die geringere Gebäudetiefe des Jacob-Burckhardt-Hauses von 40 Meter gegenüber derjenigen des Peter-Merian-Hauses von 60 Meter erlaubt einen Nord–Süd belichteten Innenhof und ermöglicht dank den äusseren Höfen zugleich einen Ausblick von allen Bürozonen aus. Aufgrund des Developmentkonzeptes der I.B.O. wurde für Unbekannt geplant. Dies erfordert das Angebot einer offenen, multifunktionalen Baustruktur mit den notwendigsten Erschliessungszonen. Die baulichen Mittel beim Jacob-Burckhardt-Haus passen sich den Erkenntnissen des Peter-Merian-Hauses und den inzwischen möglichen Innovation der industriellen Fertigungsmethoden an. Gleichzeitig versucht man, den verschärften Energievorschriften wie auch den höheren Ansprüchen der Mieter bezüglich Sommerwärme gerecht zu werden. Hinsichtlich Positionierung des Angebotes soll das bereits vorhandene Image des Peter-Merian-Hauses erreicht werden. Dazu wird der Aspekt Kunst und Architektur ins architektonische Konzept integriert. Ziel war, mit namhaften zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern zusammenzuarbeiten und mit deren differenzierten Ausdrucksmitteln spezifische Interventionen in die Architektur zu integrieren. Das Resultat sind Arbeiten mit unterschiedlichen Wahrnehmungen von Raum und Licht bei der Gebäudehülle, beim Fussweg und in den sechs inneren Lichthöfen. Die Wellbandfassade mit den speziell dimensionierten, gezogenen Aluminium- Strangpressprofilen und den unterschiedlich rhythmisierten, ausgestanzten Lochfenstern entstand in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Brigitte Kowanz. Die natureloxierten Oberflächen, die nur kurz gebeizt wurden, zeigen bewusst die horizontalen Pressspuren. Die sanften Sinuswellen brechen das Licht ganz unterschiedlich und zeigen immer wieder neue Lichtreflexionen und -effekte. Die künstlerischen Interventionen sind in den Nordhöfen an der Nauenstrasse angelegt. Durch die grossen, transparenten Schallschutzverglasungen, die wie grosse Kunstfenster erscheinen, sind sie der Öffentlichkeit zugänglich und werden so zu einem Teil der Stadt. Bis jetzt wurden drei Arbeiten realisiert, welche bei der Fertigstellung des Jacob-Burckhardt-Hauses durch drei weitere Kunstwerke ergänzt werden. Im Zusammenspiel mit einer Arbeit von Anna Meyer auf dem Zentralplatz und einem ebenfalls bereits realisierten Werk von Brigitte Kowanz auf dem Fussweg wird das Jacob-Burckhardt-Haus zu einem einmaligen Kunstraum. Der Neubau ist hervorragend erschlossen. Er liegt wenige Gehminuten von den überregionalen Zugsverbindungen und bietet eine Haltestelle der städtischen Verkehrsmittel direkt zwischen den beiden Häusern. Der Autobahnzubringer sowie eine Achse des regionalen Velowegnetzes finden sich entlang der Nord- und der Südseite des Hauses. In Lage und Höhe getrennt zum Veloweg tritt die Fussgängerpassage hervor, von wo die Haupteingänge der Häuser erreichbar sind. Rund um einen zentralen Lichthof – das Atrium – ist die Erschliessung der inneren Räumlichkeiten angeordnet. Reizvolle Ein- und Ausblicke erleichtern die Orientierung und verleihen diesem Raum einen grosszügigen Charakter. Das Jacob-Burckhardt-Haus hält in den beiden Untergeschossen neben Archiv-, Lager- und Technikräumen eine Autoeinstellhalle mit maximal 295 Parkplätzen sowie sechs Anlieferungsrampen bereit. Die Nutzung der oberirdischen Geschosse wurde für flexibel organisierbare Büroräume konzipiert, wozu der Gebäuderaster von 6,0mx7,5m die notwendige Freiheit bietet. So sind unterschiedliche Anforderungen erfüllbar für Büro, Schulen, Hotels, Arztpraxen oder Laborräume in verschiedenen Grössen. Total stehen dazu Flächen von 41 482m2 für Büro und Dienstleistung sowie 7263m2 für Archiv und Atelier zur Verfügung. Aufbauend auf dem Grundangebot kann der Mieter seinen individuellen Ausbau selber bestimmen. Die primäre Konstruktionsidee für die Gebäudehülle war, eine Fassadenabwicklung von rund 20 000m2 mit zwei bis drei industriell vorgefertigten Grundelementen zu bauen, also eine vorgehängte Fassade in einem Modulraster von 1,50m (Gebäuderaster) aus fixfertigen, raumhohen Elementen (3,0–3,5 m). Seine Begründung findet dies zum ersten in architektonischen Überlegungen, da diese Grundelemente mit ihrem Fugenraster den Gebäuderaster und die Geschossigkeit definieren. Zum zweiten stand die Absicht dahinter, schnell und trocken zu bauen, um das Gebäude rasch dicht zu haben und mit den Haustechnikund Ausbauarbeiten ohne Verzug beginnen zu können. So entstanden Fassadenelemente im Holzrahmbau mit einer präzisen Detaillierung, gefertigt wie Möbelstücke. Sie bestehen auf der Innenseite aus weiss gestrichenen mitteldichten Holzfaserplatten und einer Aussenhaut aus eloxierten Aluminium- Strangpressprofilen. Der Kern baut auf einem 180 mm starken Holzständer mit Zellulosefaserdämmplatten sowie Beplankungen auf, innen aus OSB und aussen aus Gipsfaserplatten. Die Rohbaustruktur mit Geschossdecken und Stützenraster in Beton entsprechen einem Feuerwiderstand von mindestens 90 Minuten. Das ganze Gebäude ist mit Sprinklern ausgerüstet, was einem Vollschutz entspricht. Dadurch unterstanden die Fassadenelemente keinen Brandschutzanforderungen. Einzig die Elemente beidseitig der Brandmauern auf den Parzellengrenzen mussten F30 ausgeführt werden, was mit der Gipsfaserbeplankung von 18 mm Stärke und der hinterlüfteten Bekleidung in Aluminium kein Problem darstellte. Die Fenster sind in diesen Bereichen als Holz-Metall-Brandschutzfenster ausgeführt, alle anderen sind als Holz-Metall-Fenster in Föhre mit Isolierverglasung und erhöhtem Schalldämmwert konstruiert.