Minergie-P-Eco-Haus mit drei Geschosswohnungen, Liebefeld

Ort Gebhartstrasse 15
3097 Liebefeld
Bauherrschaft Stockwerkeigentümergemeinschaft: Familien Bächler-Haartje,
von Arx-Bürgi und Schürch-Stepper
Architektur Halle 58 Architekten GmbH, Bern;
Projektleiter: Peter Schürch
Holzbauingenieur hrb Ingenieure für Holzbau GmbH, Thun
Holzbau Beer Holzbau AG, Ostermundigen
U- Werte Bauteile Aussenwände 0,10W/m²K,
Aussenwand im Sturzbereich 0,29W/m²K,
Flachdach 0,10W/m²K,
Boden EG gegen unbeheizt 0,09W/m²K,
Verglasungen und Fenster (Ug) 0,50W/m²K,
verschieden grosse Fenster (Uw) 0,65–0,92W/m²K
Energiebezugsfläche 408m² (korrigiert)
Energiebedarf Heizung 13,1kWh/m²a,
Warmwasser 5,4kWh/m²a,
Elektrizität 3,3kWh/m²a
Energieerzeugung Flachkollektoren 15,5kWh/m²a
Heizwärmebedarf 13,3kWh/m²a
Baukosten BKP2 CHF 1,85Mio
Davon BKP 214 CHF 456000.–
Grundstücksfläche SIA 416 802m²
Geschossfläche SIA 416 551m²
Gebäudevolumen SIA 416 1708m³
Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP2) CHF 656.–
Bauzeit November 2005 – Oktober 2006
Fotografin Christine Blaser, Bern
Quelle Lignum Holbulletin 88/2008 «Energieeffizinete Wohnbauten»

Im Berner Liebefeldquartier, in der Nähe des Hauptbahnhofs und der Standseilbahn auf den Hausberg Gurten, wurde das erste Minergie-P-Eco-Haus der Schweiz auf grüner Wiese in urbanem Umfeld erbaut. Die Formensprache, die sich an den umliegenden Mietshäusern aus den sechziger Jahren orientiert, weist nach, dass energieeffizientes und ökologisches Bauen nicht bloss in Einfamilienhaussiedlungen passt.

Die vorhandene Quartierstruktur besteht aus drei bis viergeschossigen Wohngebäuden mit Satteldächern und offenen, durchgängigen Grünflächen. Der Neubau gliedert sich bezüglich seines Volumens in die vorhandene Quartierstrukturein, während er mit seinem Innenleben eine zeitgemässe Wohnqualität beifügt. Das neue Wohnhaus übernimmt die strengparallele Gliederung der länglichen Gebäude im Nordwesten der Siedlung, während die Südostfassade mit ihrem abgeschrägten Winkel parallel zum Fussgängerweg verläuft und so mit dem eher willkürlich erstrukturierten südöstlichen Teil des Quartiers kommuniziert. Dies lässt einen fliessenden Übergang zwischen den verschiedenen Quartierstrukturen entstehen. Da sich keine tragenden Wände innerhalb der Gebäudehülle befinden, ist die Gestaltung der Wohnfläche weitgehend frei. Der Versorgungskern mit Sanitärzone ist an der massiven, fensterarmen Nordostfassade plaziert. Das Untergeschoss des Gebäudes ist eine massive Betonkonstruktion. Da der Beton wasserdicht sein muss, wurde grösstenteils auf Recyclingbeton verzichtet. Die drei Geschosse über dem Untergeschoss sind in Holzbauweise realisiert. Die Fassadenbekleidung besteht aus unbehandelten Holzzementplatten. Die Verkleidung der nordöstlichen Gebäudeecke ist mit Lärchenholzlamellen ausgeführt. Pro Geschoss setzt sich die Fassadenabwicklung aus Wandpartien, der Verglasung und der Eingangstür zusammen. Das Tragwerkskonzept mit den grossen auskragenden Balkon und Laubenganganteilen beruht ganz auf der Holzrahmenbauweise. Der an der Gebäudespitze platzierte Aussensitzplatz ist vollständig vom restlichen Gebäude abgetrennt. Er beeinflusst die Gebäudehülle weder statisch noch energetisch.
Optimierte Tageslichtverhältnisse, geringe Lärmimmissionen und eine geringe Schadstoffbelastung der Raumluft durch Emissionen von Baustoffen gehören zu den erfüllten Erfordernissen bezüglich Minergie­Eco. Doch sollte auch der Minergie­P­Standard erreicht werden. Aus der Ortssituation heraus gleicht die Form des Gebäudes nicht der Idealform von energetisch optimierten Gebäuden (kugelähnlich). Die Energiebezugsfläche von 408m² steht den 739m² der Gebäudehülle gegenüber, woraus sich der hohe Formfaktor (Gebäudehüllziffer) von 1,8 ergibt. Eine grosse Einsparungsmöglichkeit bei den Transmissions-Wärmeverlusten sah man in den Fenstern. Durch den Einsatz von Dreifach-Wärmeschutzverglasungen mit einem Ug-Wert von 0,50W/m²K und das Überdämmen der flächenbündig auf die Holzkonstruktion gebauten Fensterrahmen– wodurch die Wärmebrückenverlustkoeffizienten sehr tief ausfallen- konnte den notwendigen Voraussetzungen entsprochen werden. So liegen je nach Fenstertyp die realisierten Uw-Werte zwischen 0,65W/m²K und 0,92W/m²K, wobei die vollverglasten Fensterfronten mit hauptsächlich Festverglasungen den tiefsten Wärmedurchgangskoeffizienten aufweisen.
Was sich in Form eines hohen Fensteranteils bei den Energieverlusten nachteilig auswirkt, hilft an anderer Stelle. Die Glasfassaden ermöglichen die passive Nutzung der einfallenden Sonnenstrahlen. Um einer Überhitzung der Räume vorzubeugen, wurde die Wärmespeichermasse der Etagenböden mit einer Splittschüttung und einem Zementüberzug erhöht. Der Abstand von 180mm zwischen der südlichen Verglasung und dem innenliegenden Betonpfeiler ist zu dem so gewählt, dass der Pfeiler ebenfalls als Wärmespeicher dient. Der letztendlich geringe Heizwärmebedarf kann über einen zentralen Holzpelletsofen gedeckt werden. Heizkessel, Pelletstank und Speicher sind im Untergeschoss untergebracht. Sie versorgen die Niedertemperatur-Bodenheizungen der drei Etagen. 76% der Warmwasserversorgung erfolgen mittels thermischer Solarenergie. Auf dem Flachdach befinden sich dazu Sonnenkollektoren mit einer Absorberfläche von 20m². Die restlichen 24% an Warmwasserbedarf werden über den Holzpelletofen gedeckt.