Alters- und Familienwohnungen am Römerweg, Härkingen

Ort Römerweg, 4624 Härkingen
Bauherrschaft Bürgergemeinde Härkingen
Architekten H&O Oegerli Brunner, dipl. Architekten SIA, Olten und Härkingen; Mitarbeit: Markus Oegerli, David Brunner
Bauingenieur Rolf Grimbichler, Bauingenieurbüro HTL/STV, Rothrist und Olten
Ingenieur Holzbau Pirmin Jung Ingenieurbüro für Holzbau GmbH, Rain
Holzbau Renggli AG, Schötz
Materialien (für beide Bauetappen) Konstruktionsholz: Massivholz 39m³, Rahmenholz 220m³, Brettschichtholz 17m³, Brettstapelelemente 30m³; Platten: Furnierschichtholz 4,4m³, Spanplatten 48m³, mitteldichte Holzfaserplatte 10m³, OSB 72m³, Dreischichtplatten 26m³, Gipsfaserplatten 14m³, Gipskartonplatten 40m³; Boden: Eichenparkett 1500m²; Fassade: zementgebundene Holzwerkstoffplatte 18 mm 1400m²
Gebäudedekubatur SIA 116 7860m³ (1. Etappe); 5433m³ (2. Etappe); 13 293m³ (total)
Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 536.– (1. Etappe); CHF 612.– (2. Etappe); CHF 567.– (total)
Bauzeit Oktober 2002–Oktober 2003 (1. Etappe); Juni 2004–März 2005 (2. Etappe)
Quelle: Lignum Holzbulletin, 72 / 2004; Wohnraum für ältere Leute

In den neunziger Jahren kaufte die Bürgergemeinde Härkingen im südlichen Teil des Dorfs 9800 m2 Bauland mit dem Ziel, günstige Alterswohnungen zu bauen. Ende 2002 lud die Bürgergemeinde vier Architekturbüros ein, eine Projektstudie für einen Teil des Grundstückes auszuarbeiten. Die Gemeinde äusserte als Waldbesitzerin und Holzverwerterin ausserdem den Wunsch, möglichst weitgehend Holz als Baustoff zu verwenden. Als Sieger des Wettbewerbs ging dasjenige Projekt hervor, das den Bedingungen der Bauherren am besten Rechnung trug und durch die Architektur zu überzeugen vermochte.

Der östliche Quartierteil umfasst vierzehn Parzellen. Vorgesehen sind Einfamilien- und Reihenhäuser an einer neuen Wohnstrasse, die rechtwinklig zur Römerstrasse verläuft. Zwei Einfamilienhäuser sind bereits gebaut. Im westlichen Teil des Quartiers stehen parallel zum Römerweg zwei Mehrfamilienhäuser. Zwischen diesen Wohngebäuden, über der Tiefgarage, liegt ein begrünter Platz. Im Erd- und Obergeschoss der beiden Mehrfamilienhäuser befinden sich je zehn 21/2- und 31/2-Zimmer-Wohnungen, die sowohl alters- als auch behindertengerecht gebaut und auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt sind. Das Attikageschoss bilden zwei Wohnungen für Familien mit 41/2 respektive 51/2 Zimmern, die beide über eine grosse Terrasse verfügen. Im Untergeschoss des einen Gebäudes wurde, nebst Keller und technischen Einrichtungen, ein Gemeinschaftsraum eingerichtet, der über einen begehbaren, raumhohen Lichthof mit Tageslicht versorgt wird. Er steht sowohl der Bürgergemeinde als auch den Bewohnern des Quartiers zur Verfügung. Dieses erste Mietshaus wurde im September 2003 fertiggestellt. Ende März 2005 werden die Wohnungen im zweiten Mehrfamilienhaus für die Mieter bereitstehen. Das schlichte, rote Gebäude mit dem lichtgrauen Dachgeschoss und dem Flachdach ist optimal in die Umgebung eingebettet. Die modernen und praktischen Wohnungen sind nach Nord–Süd ausgerichtet. Jede Wohnung im Erd- und Obergeschoss wartet mit einer Loggia an der Südfassade auf. Die Wohnungen im Erdgeschoss verfügen über einen eigenen Eingang an der Nordseite, der in einen an die Küche angrenzenden Vorraum führt. Ein betoniertes Treppenhaus mit Lift führt ins Obergeschoss, wo man über einen Laubengang zu den Wohnungen gelangt. Die modernen Küchen sind zweckmässig eingerichtet und sind wie die Sanitärbereiche rollstuhltauglich aufrüstbar. Alle Wohnungen verfügen über Einbauschränke. Das Gebäude ist in Holzrahmenbauweise von 160 mm Stärke erstellt und mit einer Mineralfaserdämmung versehen. Aussen am Holzständer ist eine Horizontallattung mit dazwischen liegender Wärmedämmung von 60 mm Dicke montiert, die eine homogene thermische Dämmung von hoher Effizienz garantiert. Der Holzrahmenbau wurde auf jeder Seite mit einer OSB-Beplankung von 15 mm stabilisiert. Die Fassade ist mit rot gestrichenen, zementgebundenen Holzwerkstoffplatten eingekleidet. Die zurückversetzten Teile des Gebäudes – Eingänge, Loggien und Attikageschoss – sind lichtgrau gestrichen. Die Holz-Metall-Fenster sind aussen schwarz oder lichtgrau gestrichen und auf der Innenseite mit einem transparenten Lack versehen. Die Decken wie auch die Wände in den Wohnungen wurden mit Gipskartonplatten verkleidet. Die Zwischenböden sind ebenfalls vorfabriziert; sie wurden zwischen den Balken ausgedämmt und mit einem Zementunterlagsboden mit integrierter Bodenheizung versehen. Darüber liegt ein versiegeltes Eichenparkett. Diese Konstruktionsweise sorgt für eine optimale Schalldämmung zwischen den Wohnungen. Die Nasszellen sind mit rutschfesten, blauen und weissen Platten gekachelt. In den Laubengängen sowie den Balkonen des Attikageschosses sind Zementplatten verlegt. Die konkave Form des Dachs wird durch eine in der Höhe variable, hinterlüftete Unterkonstruktion gegeben (100–320 mm), die auf der 280mm stark gedämmten Horizontalstruktur befestigt wurde. Bitumendachbahnen sorgen für die Dichtigkeit der Dachstruktur. Das Regenwasser wird in der Mitte des Dachs gesammelt. Beheizt werden die Mehrfamilienhäuser mit einer zentralen Gasheizung; das Warmwasser wird mit den auf dem Dach aufgeständerten Sonnenkollektoren aufbereitet. Beide Mehrfamilienhäuser sind nach Minergie zertifiziert. Eine Komfortlüftung sorgt für gute Luftqualität in den Wohnungen und erhöht den Komfort für die Bewohner. Zur Förderung mehrgeschossiger und grossvolumiger Holzbauten unterstützte das Förderprogramm ‹holz 21› des BUWAL die Kommunikationsmassnahmen für dieses vielversprechende Signalprojekt. Zudem wurde dem Bauprojekt im September der Hauptpreis des Solothurner Holzpreises 2004 verliehen.